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Hier könnt ihr euch die Endlosgeschichten durchlesen, die schon lange am laufen sind und zwar ohne nervige Kommentare und Verwechslungen. Skelch hat sich die Mühe gemacht einen großen Teil unserer ersten Geschichte um Zoltep Zaan und Erwin ins reine zu schreiben, was bestimmt sehr viel arbeit war und deswegen kommt von Hier ein ganz großes DANKESCHÖN an Siglinden.

Kapitel 1: Gefährliche Experimente

Es begann in den Friedhofssümpfen von Dull, nahe dem Golf von Florinth. An jenem Herbsttag war das sowieso recht unpopuläre Klima jener Region ein noch ekligeres Sauwetter. Dicke Nebelschwaden füllten die Luft da, wo die schwülwarmen Gase aus dem gärenden, blubbernden, schmatzenden Morast auf die eisigen Böen des steifen Windes trafen, der schon seit Tagen von Norden her über das Land fegte. Die Luft ließ sich kaum atmen, enthielt mehr Wasser als Sauerstoff. Unheimliche Laute, Knarzen, Wispern, Stöhnen, Ächzen, huschten gespenstig über die Ebene, irrten durch den Nebelbrei, der kaum mehr als fünf Handbreit Sicht gewährte. Einzig ein gewaltiger Schatten schaffte es, das diffuse Grau zu durchdringen und seine Konturen auch dem letzten Schlammgewürm auf die Netzhaut zu zeichnen: Die Finsterberge mit ihren dunklen, steilen Zinnen, erhoben sich mächtig und gewaltig über dem Moor, wie eine Krone der bösen Mächte, die über die Unwirtlichkeit und das unheimliche Treiben in diesem Gebiet wachten. Ein dunkler Strom schlängelte sich von ihnen herab, um mit seiner gespenstischen Aura die der Sümpfe zu nähren, in die er mündete. Ein leises Rauschen flog dem Wasser voraus; die Idylle des Schauerns schien perfekt. Doch was war das für eine Gestalt, die da den Gebirgsfluss entlang trieb? Die Konturen waren verschwommen, dennoch, es war ganz offensichtlich ein Vergnügungsdampfer, wie man ihn oft auf den idyllischen Flüssen findet, die sich von der Dämonenklamm in den Golf von Zamonien hinunterwinden. Doch in dieser Umgebung, hier, in den Friedhofssümpfen, einem Ort, wie er für einen netten kleinen Sonntagsausflug zu Wasser nicht ungeeigneter hätte sein können? Das war seltsam, und ebenso die geisterhafte Stille, die über dem mit Passagieren offensichtlich voll besetzten Schiffchen lag. Ging das mit rechten Dingen zu?
Beim näheren herannahen konnte man schemenhaft die Gesichter der Passagiere erahnen; steinerne Fratzen, schmerzvoll verzerrt, wirkten sie wie Totenmasken im diffusen Licht. Plötzlich war ein schrilles Quietschen zu hören, die linke Bordwand knarzte mit ohrenbetäubendem Lärm an einem Felsvorsprung vorbei und das Schiff kam rumpelnd zum Stillstand. In die nun folgende schmierige Stille drangen tapsige Laute kurzer Schritte. Ein Witschwein huschte durch den Schlamm und bahnte sich durch Morastkraut und Entengrütze seinen Weg, stetig auf den Dampfer zuhaltend. Es war nur noch wenige Meter entfernt, sein Atem wurde zu einem hecheln, innere Erregung zeichnete sich in Form von hektischen Flecken auf seinem Gesicht ab und die drei Augen quollen in Ekstase hervor. Mit Hilfe eines Enterhakens gelang es dem Schwein die Reling zu erklimmen.
Passagiere aus allen Teilen Zamoniens waren hier versammelt, am Bug stand eine Gruppe Wolpertinger die die nicht mehr sehr ansprechende Aussicht genoss, sie rührten sich nicht. Der Speisesaal war prallgefüllt, überall saßen Wesen, die belegten Teller und Gläser noch vor sich stehend. Auf der Tanzfläche hielt ein Blutschinken gerade die Hand eines Fernhachenmädchens, als ob er sie im nächsten Augenblick zu einem dreifachen Maxl herumwirbeln würde. Kein Laut war zu hören, die Kapelle verharrte in Posen, die kein Rückengymnast für gesund erklärt hätte. Es war als hätte jemand die Zeit angehalten, als wäre ein riesiger Topf Gelatine über dem Schiff ausgegossen worden, der jede Bewegung verhindert.
Fast jede. Denn immer noch lief das Wittschwein suchend umher, seine Füße trieben es zielstrebig auf die Brücke zu. Korridore entlang und Treppen hinauf, bahnte es sich seinen Weg an steinernen Figuren vorbei. Die Tür zur Kommandozentrale war verschlossen, doch das konnte es nicht aufhalten, mit einem gekonnten Kniff mit einem Dietrich öffnete sich der Zugang. Das Steuerrad war verlassen und auch im Raum waren weder Kapitän noch Steuermann zu sehen. Nur auf der Schaltkonsole lag etwas, das augenscheinlich nicht dorthin gehörte. Eine leuchtende Halbkugel, die aus einer zähen und gummiartigen Masse zu bestehen schien. Als das Witschwein eintrat schien das Ding aufzuglühen und begann wild zu zucken. Das Witschwein lachte laut.
"Die Strahlenantenne funktioniert also!", sagte es, "Sie merkt, dass ich nicht betroffen bin!"

Ein gutes Stück entfernt dümpelte ein weiteres Fahrzeug ruhig auf einem Sumpfsee dahin. Der vermoderte Segler, dessen schmutzige Flagge ihn als Piratenschiff auswies hatte nur ein einziges halbwegs intelligentes Wesen an Bord. Derzeit stand dieses an der Reling des Vorderdecks, starr wie Passagiere und Mannschaft des Vergnügungsdampfers. Von weitem sah es aus wie eine vergilbte Mumie, und hätte jemand gewagt an Bord zu kommen und es von Nahem zu betrachten, dann hätte er wohl festgestellt, dass es tatsächlich von Kopf bis Fuß mit mumifizierten Binden umhüllt war. Auf den ersten Blick machte die Mumie einen menschlichen Eindruck, doch die langen Krallen, die an den Händen aus den Binden hervorragten, straften diesen Eindruck lügen. Besonders ungewöhnlich waren die Augen des Wesens, oder zumindest ein Auge. Über das andere Auge konnte man nichts sagen, denn es war vollständig von den Binden bedeckt, doch das eine besondere Auge, war ein blutroter funkelnder Rubin. Plötzlich kam Bewegung in das Bild, die Mumie löste erst einen Finger vom Geländer, dann einen zweiten Finger und schließlich die ganze Hand. Nur kurz darauf schüttelte sie ihren ganzen Körper.
"Was war das?", fragte sie mit einer tiefen männlichen Stimme, "Wer hat es gewagt den großen Piraten Jack Wolsin zu erstarren?"
Wolsin dachte nach. Womöglich hatte es etwas mit dem Vergnügungsdampfer zu tun. Natürlich, jetzt erinnerte er sich, er sich, er war auf der Suche nach Beute den Fluss hinauf gefahren und hatte einen offenbar völlig verirrten Vergnügungsdampfer gesichtet, der sich dem Sumpf genähert hatte. Er hatte sein Schiff in diesen See gesteuert um den Touristen aufzulauern und plötzlich... Plötzlich hatte er dagestanden, völlig unbeweglich und das Schiff war weg gewesen. War es einfach vorbeigefahren und er hatte es in seiner Starre nur nicht gemerkt. Ja, wahrscheinlich. Jack Wolsin tobte vor Wut.
"Anker werfen und Beiboot zu Wasser lassen!", befahl er. Wie von Geisterhand wurden seine Befehle ausgeführt. Langsam stieg er eine Leiter hinab ins Beiboot. Wer immer für seine Erstarrung verantwortlich war, er würde dafür bezahlen. Doch als Jack Wolsin über den See ruderte, leuchtete sein Rubin plötzlich auf. Sofort ließ der gefürchtete Pirat die Ruder sinken und aus seinem durch vergilbte Binden verdeckten Mund ertönte ein klägliches Geschrei: "Mamaa! Maamaaa!"
Auf dem immer noch erstarrten Vergnügungsdampfer verwischte das Witschwein indessen seine Spuren. Die Halbkugel musste verschwinden, und ebenso die falschen Reiseprospekte mit denen es sein unfreiwilligen Versuchskaninchen in den Sumpf gelockt hatte. Nichts durfte mehr auf den berühmt-berüchtigten Wissenschaftler Erwin von Wassernass (denn niemand anderes war das Witschwein) hindeuten. Absolut nichts. Plötzlich hörte Erwin ein Geräusch. Es schien aus der Luft zu kommen, also machte sich Erwin auf den Weg zu Deck. Eigentlich konnte das seltsame Flattern nur von einem toten Baum stammen, den der Wind bewegte, oder so. Oder von einer untoten Kreatur, die früher aus der Erstarrung  erwacht war, als es bei lebenden Kreaturen der Fall sein konnte, aber Untote gab es in diesem Sumpf kaum. Kein Wesen von außerhalb der Reichweite des Anti-Biomechanik-Strahls konnte in der kurzen Zeit hierher gekommen sein, da war sich Erwin sicher. Und kein Wesen konnte sich der Erstarrung entzogen haben, wenn es sich nicht geschützt hatte wie er selbst. Nein, es konnte nur irgendein totes Material sein.  Beruhigt drehte sich Erwin um und begab sich in den Maschinenraum um ein paar Instrumente abzulesen.
Über dem Schiff flog ein seltsames Objekt. Es glich einem Flugdrachen mit einem Ventilator als Antrieb, in dessen Steuerung eine transparente Kapsel hing, in der sich etwas Gelbes befand. Jetzt setzte die Konstruktion zum Sturzflug an, und prallte auf das Deck, direkt vor einer Tür, die ins innere des Dampfers führte. Die Kapsel platzte auf. Dort heraus quoll eine glibberige Masse, die sich amöbenhaft und mit furzenden Geräuschen in Richtung der Tür fortbewegte. Sie wusste ganz genau wohin es wollte, zu Erwin. Das Ding versuchte die Treppe zur Maschinenhalle hinunter zu gleiten. Genau 619,5 mal machte es >flutsch-flutsch<, dann war der Glibber unten an gekommen. Die Masse machte sich nun auf die Suche. Sie rutschte unter vielen dampfenden Ventilen und zwischen noch viel mehr Rohren hindurch. Dann erblickte der Glibber das Witschwein. Es war gerade dabei nichts ahnend den Röhrendruck von einer Anzeige abzulesen. Die Masse bewegte sich nun langsam und schleppend auf den Wissenschaftler  zu, welcher sich in genau diesem Moment aufgrund des leisen Furzens umdrehte. Er grinste überlegen auf den Glibber herab und krächzte: "Lumpi? Was machst du hier? Hast du etwa eine der Schutzkapseln aus dem Labor mitgehen lassen?" Lumpi, der Glibber, begann laut zu knurren. Erwin erwiderte mit erhobenem Zeigefinger: "Aber, aber Lumpi. Wer wird denn da dem Herrchen böse sein? Nur wegen der paar kleinen Experimente?" Plötzlich machte der Glibber einen gewaltigen Sprung auf den Arm des Witschweins und saugte sich daran fest. Vergeblich waren die Versuche, Lumpi durch unkoordiniertes Herumfuchteln loszuwerden. Da kam Erwin eine Idee.
"Lumpi du dreckiges Stück!" ,knurrte er mit einem verächtlichen Lächeln, "Vergiss nicht, dass ich dich erschaffen habe! Mehr noch, 3 Jahre habe ich dich versorgt. Und jetzt fällst du mir hinterhältig in den Rücken. Aber ich wusste doch schon immer das aus dir nie so ein Genie wird wie ICH ES BIN!" Die letzten 3 Worte betonte er mit einer heiseren Donnerstimme. Der Glibber schnaufte und ließ von ihm ab. "Du konntest mein Experiment nicht verhindern, und ich werde meine versuche auf diesem Gebiet fortführen, mit oder ohne dich!" Mit diesen Worten öffnete Erwin ein Bullauge und sprang in den Sumpf. Auf dem Dampfer kehrte wieder Leben ein. Die Gäste waren sehr verwirrt, einige schrieen, mehrere Natifftoffen-Damen vielen in Ohnmacht. Währenddessen war Erwin von Wassernass in seinem Unterirdischem Labor angekommen.
Dieses geheime Labor hatte Erwin selbst gebaut. Da es direkt unter dem Sumpf lag hatte er viel Zeit dafür gebraucht. Doch inzwischen war es nahezu perfekt. Es gab dort alle notwendigen Instrumente und Gefäße für jedes chemische Experiment, ein Gewächshaus mit verschiedenen Pflanzen, haufenweise mechanische und elektronische Teile, ganze Regale voll mit Mappen gefüllt mit Aufzeichnungen, Lagerräume in denen verschiedene Temperaturen für die Aufbewahrung verschiedener Chemikalien, eine umfangreiche Mineraliensammlung, eine ebenso umfangreiche Sammlung an getrockneten Pflanzen und eingefrorenem Gewebe verschiedenster Daseinsformen und Unmengen von Fachliteratur. Hinzu kamen Messinstrumente, Chirurgenbesteck und ein lebendes Tier. Dieses nahm Erwin aus seinem Terrarium.
Lumpi kroch indessen durch den Sumpf und dachte nach. Ja, Erwin hatte ihn erschaffen, aber dafür schuldete er ihm wirklich nichts. Und er hatte ihn versorgt, aber nur um ihn stolz herumzuzeigen und seinen Erzfeind Zaan zu ärgern. Lumpis Ratschläge hatte er nie beachtet, seine Einwände und Befürchtungen einfach in den Wind geschlagen. Nein, Erwin war nicht böse, aber doch ziemlich rücksichtslos, wenn es um das Erlangen wissenschaftlicher Erkenntnisse ging. Und zudem äußerst leichtsinnig. Lumpi war in den drei Jahren, die er mit seinem Schöpfer verbracht hatte immer mehr zu dessen Gewissen geworden, eine frustrierende Aufgabe, vor allem weil Erwin die Angewohnheit hatte sein Gewissen geflissentlich zu ignorieren. Aber langsam ging er wirklich zu weit. Der Strahl den er entwickelte konnte in den falschen Händen zu einer gefährlichen Waffe werden. Lumpi musste ihn aufhalten. Und so wie es aussah hatte er dazu nur eine Möglichkeit.
Erwin hatte inzwischen sein Labor verlassen und setzte das Tier auf den Boden. Es war ein Hund, kaum größer als ein Radieschen. Als Erwin dem Hund einen scharfen Befehl in Krypto, der Geheimsprache der Alchimisten, zurief, und dieser zu wachsen anfing, ahnte er nicht, dass er gleich von zwei Daseinsformen beobachtet wurde. Die eine war Lumpi, der auf eine Gelegenheit wartete ins Labor einzudringen, die andere war Jack Wolsin.
Erwin gab zwei weitere Befehle, worauf der Hund zunächst zu wachsen aufhörte, und sich dann hinlegte. Schnell schwang sich das Witschwein auf seinen Rücken und gab ein viertes Kommando. Der Hund stand auf und setzte sich in Bewegung.
Lumpi nutzte die Gelegenheit und flutschte zur Geheimtür. Sie war zwar so abgedichtet, dass er nicht darunter hindurchkam, doch wie so oft hatte Erwin in seinem Leichtsinn nicht abgeschlossen.
Nach einiger Zeit erreichte Erwin auf seinem Hund das Ziel. Er stieg ab, gab dem Hund den Schrumpfbefehl und steckte ihn bald darauf in die Jackentasche. Zielstrebig steuerte er auf einen Baumstumpf zu. Als sich das Witschwein darauf stellte, dreimal im Kreis drehte und fünfmal auf und nieder sprang, rutschte es durch einen Geheimtunnel in einen unterirdischen Wohnstollen. Erwins Frau begrüßte ihren Mann  herzlich: "Hallo liebster Erwin, Essen gibt es gleich und die Kinder schlafen auch schon!" Das Erwin legte seine Jacke ab und erwiderte: "Gut Elfriede, ich geh mich nur noch mal schnell frisch machen." Erwin ging Richtung Badezimmer und kam dabei an der offenen Kellertür vorbei. "Schatz!", rief das Witschwein laut. "Ja?!", kam es aus der Küche, "Was ist Erwin?" "Warum steht die Kellertür offen?" "Ich hab´ `ne Flasche Wein aus`m Keller geholt!" "Ach so!", antwortete Erwin und schloss die Tür.
Währenddessen war Lumpi in das Labor eingedrungen. Dort krauchte er zu einem Kasten und öffnete diesen. Er zupfte ein Kabel heraus.
(Hajajajajajajajajajajajajajajajajajajaaaaaaaaaa irgendwie muss ich die Spannung ja erhöhen.)
"30 Sekunden bis zur Selbstzerstörung", tönte es aus dem Labor. "30 seconds to selfdestruct", tönte es beim 2ten mal.
Lumpi flutschte so schnell er konnte zum Ausgang des Labors.
Als er an der Tür angekommen war tönte es schon: "Noch 15 Sekunden bis zur Selbstzerstörung", und dann: "Only 15 seconds more to selfdestruct" Lumpi wurde heiß. Schnell drückte er gegen die Tür um sie zu öffnen, aber... (Tolle Geschichte nicht??? Die Abschweifungen sind nur zum Spannung erhöhen... aber wer sie nicht ganz durchliest versteht die Geschichte vielleicht nicht... also weiter.)
die Tür ging nicht aus!!! Mein Gott, dachte Lumpi, was soll ich nur tun? Lumpi kroch aufgeregt hin und her. "5, 4, 3, 2, 1" Lumpi hätte in seiner Verzweiflung laut aufgeschrieen, wäre er dazu in der Lage gewesen. Aber wahrscheinlich hätte es sowieso niemand gehört.
Außer vielleicht Jack Wolsin. Die bekrallte Mumie mit dem Rubinauge versteckte sich ganz in der Nähe des Labors hinter einem Felsen, als es in die Luft flog. Allein dem genannten Felsen verdankte es der untote Pirat, dass ihn die Explosion nicht in Stücke gerissen hatte. Sonst hätte wohl niemand den Genffballon bemerkt, der jetzt im Krater der Explosion landete. Aus der rundum gepanzerten und mit einer Kanone bestückten Gondel trat ein Natifftoffe. Es war Zoltan Zaan, ein direkter Nachfahre von Zoltep Zaan, der ständig versuchte, die Leistungen seines Ahnen zu übertreffen. Er war in seinem Versteck in den Finsterbergen nicht von Erwins Strahlung betroffen gewesen, hatte sie aber dank eines Detektors dennoch bemerkt und sich sofort aufgemacht um ihre Quelle zu finden. Und nun hatte ihn diese Explosion hierher geführt. Kein Zweifel, dies waren die Überreste des Labors seines Konkurrenten Erwin von Wassernass. Zoltan hatte seinen großspurigen Kollegen nie leiden können. Als er beim letzten zamonischen Forscherkongress vor drei Jahren einen Preis für seinen komischen Glibber bekommen hatte, war Zoltan fast durchgedreht. Und er war sich fast sicher, dass dieser Lump ihm voriges Jahr seinen Radieschenhund gestohlen hatte. Den einzigen, der vernünftig wachsen und schrumpfen konnte. Nun, vielleicht war das Tier ja hier. Zoltan wühlte in den Trümmern. Er fand zwar keinen Radieschenhund aber dafür eine noch relativ gut erhaltene Mappe mit Aufzeichnungen.
"Formel zur Verjüngung von Gewebe!", las er laut vor. Es war eine alte Angewohnheit von ihm alles laut zu lesen. Wolsin spitzte die Ohren. "Ergebnis nicht zufriedenstellend!"
Zoltan lacht laut auf. "Natürlich kommt da nichts raus, wenn sich ein Naturwissenschaftler am Verjüngen versucht. Da muss ein praktisch denkender Alchimist ran!"
Er steckte die Mappe ein und stieg wieder in seinen Ballon. Vergessen war der Radieschenhund. Die Verjüngungsformel war um vieles wertvoller. Auch für Jack Wolsin. Unbemerkt klammerte sich der mumifizierte Pirat an die Kanone, als der Ballon abhob. Diese Chance wollte er sich nicht entgehen lassen.
Als am nächsten Morgen Erwin wieder von seinem unterirdischen Stollen kam und vor den Überresten seines unterirdischen Labors stand, traute er seinen Augen kaum. "Heilige Sch[---]e!", fluchte das Witschwein, "Da hab ich wohl vergessen das Labor abzuschließen!" Hätte sich Erwin in den Ar[---] (*meint hier NICHT! den Arm*) beißen können, dann hätte er es höchst wahrscheinlich in diesem Moment getan. Weil das Witschwein nun nicht weiter wusste, trippelte es aufgeregt auf der Stelle. Schließlich kam ihm ein entsetzlicher Gedanke: Lumpi! War er womöglich im Labor gewesen als es explodiert war? Erwin war klar, er musste in den Krater klettern und nachsehen, ob noch etwas von seinem Labor und vor allem von Lumpi übrig geblieben war.
Erwin kletterte in den Krater und durchsuchte die endlos scheinenden Pfützen nach irgendwelchen Utensilien oder aber nach einem Lebenszeichen von Lumpi. Alles was er fand packte Erwin in seinen Rucksack um später ein neues, größeres und moderneres Labor zu errichten.
Plötzlich sah er ein paar Fußspuren. Was war das? Von wem stammten die? Lumpis konnten es nicht sein, der hatte keine Füße.
Erwin untersuchte die Spuren genauer und erkannte, dass sie von zwei verschiedenen Personen stammten. Die eine Sorte erkannte er wieder als die Spuren seines Erzfeindes Zoltan Zaan. Was hatte er hier gewollt? Hatte er das Labor zerstört?
Erwin verfolgte die Spuren und stellte fest, dass sie zu den Abdrücken eines viereckigen Objekts führten und auch von dort kamen. Auch die anderen abdrücke führten dorthin, kamen aber aus dem Schilfdickicht. Er erinnerte sich an Zoltans Ballon. Kein Zweifel, er war da gewesen. Erwin beschloss, seinem Erzfeind einen kleinen Besuch abzustatten und ihm auf den Zahn zu fühlen. Wo lag noch gleich sein Labor? Ach ja, in den Finsterbergen, in der Nähe des neuen Eingangs der Nachtschule. Bevor er sich jedoch auf den Weg dahin machte, hörte er ein Furzen, wie es nur von Lumpi sein konnte. >pffffrrrbb< (oder so ähnlich) Das Witschwein näherte sich Lumpi und stellte fest, dass es eigentlich nur noch ein Fetzen von ihm war. Aber immerhin, ein lebender Fetzen. Erwin packte den schleimigen wehrlosen Glibber in eine große Plastiktüte, rollte sie zusammen und packte das Ganze in seinen Rucksack. Jetzt machte sich Erwin auf "seinem" Radieschenhund auf den Weg in Richtung Nachtschule.

Kapitel 2: Der Weg
Nach einer Stunde ragten vor ihnen die Finsterberge auf. Der riesige Hund schlängelte sich wendig durch die Schluchten bis sie zu einem Engpass gelangten. Erwin ließ nun mit einem scharfen Befehl den mächtigen Rüden wieder schrumpfen, um den Fußmarsch anzutreten. Gerade als er ihn in seine Jackentasche stecken wollte, da tippte ihm von hinten jemand auf die Schulter... Die Hand, die die Schulter des Witschweins berührte, war komisch, sie war grün, schlecht gepflegt und mit Warzen übersäht. Langsam, denn der Schreck saß ihm immer noch in den Knochen, beschloss er, sich im Halbkreis zu drehen, um dem offensichtlichem Besitzer der Hand von Angesicht zu Angesicht gegenüberzustehen, und ihn zu fragen, was er sich denn wohl erlaubte, ahnungslosen Wanderern einfach von hinten die Hand auf die Schulter zu legen, auf welches dieselbigen sich überhaupt nicht vorbereiten konnten und ob er denn überhaupt wisse, wen er da vor sich hätte. Mit diesem Plan im Kopf, ging er daran, denselbigen zu erfüllen. Langsam drehte er sich um...  Doch nichts verlief wie nach seinem Plan, denn da war überhaupt niemand dem er von Angesicht zu Angesicht gegenüberstehen und den er fragen konnte, was er sich denn wohl erlaubte, ahnungslosen Wanderern einfach so von hinten die Hand auf die Schulter zu legen, auf welches sich die selbigen nicht vorbereiten konnten und ob er denn überhaupt wisse wen er vor sich habe. Denn hinter ihm stand überhaupt niemand. Das Tal war vollkommen leer. Plötzlich hatte er das Gefühl, sich verlaufen zu haben.
Zu Glück gehörte zu den Dingen, die er in den Trümmern seines Labors gefunden hatte auch ein Kompass, und so hatte er die richtige Richtung bald wiedergefunden. Nach einem zirka 2-stündigem Fußmarsch kam Erwin an die neue Tür der Nachtschule. Wie ging es jetzt weiter? Das Witschwein sah sich um und entdeckte etwas, das nicht so recht in die Landschaft passen wollte. Ein Gebüsch direkt neben dem Eingang. Erwin drückte die Äste des Busches zur Seite und entdeckte einen kleinen Trampelpfad, der um die Nachtschule herum führte. Das musste es sein. Der Weg endete vor einem Türchen mit der Aufschrift "Ultra-geheimes Geheimlabor von Zoltan Zaan, bitte nicht den Schlüssel unter dem Vorleger zum Öffnen benutzen!" Da musste das Witschwein lachen. Für wie blöd hielt Zoltan seine Besucher eigentlich? Es ließ die Finger vom Vorleger und öffnete die Tür mit einem Dietrich. Quietschend schwang sie auf. Hinter ihr war nur Dunkelheit. Langsam machte Erwin einen Schritt hinein. Plötzlich schwang die Tür lautlos hinter Erwin zu und ein unheimlich grelles Licht ging an.
Geblendet ging Erwin wieder einen Schritt weiter. Das Licht wurde runtergedimmt auf eine für normale Augen auszuhaltende Stärke. Das Witschwein soifzte erleichtert.
Von da an blieben die Überraschungen einige Zeit lang aus. Dann plötzlich, stand Erwin SCHON wieder vor einer Tür. Diesmal stand darauf: "Letzte Chance umzukehren" Diese Tür war nicht abgeschlossen und so drückte er einfach die Klinke herunter und öffnete sie.
Nun betrat Erwin Zoltan Zaans Geheimlabor und sah sich erstaunt um. Überall standen piepende und blinkende Geräte, sich bewegende Maschinen und viele, viele bunte und brodelnde Flüssigkeiten in Reagenzgläsern. "BOAH!", sagte das Witschein erstaunt, "Und ich dachte ICH sei verrückt!" Sein Blick fiel nun auf einen Apparat mit der Aufschrift "Bio-Regenerator zur Heilung von Verletzungen". Erwin holte die Plastiktüte, in der Lumpi eingerollt war, aus seinem Rucksack hervor und spannte ihn in die anscheinend dafür vorgesehene Apparatur ein. Dann drückte er auf einen roten Knopf und >schwupps< war Lumpi wieder der alte Glibber, der er vorher einmal war. Jedoch war dieser Glibber  immer noch ganz schön sauer auf Erwin. Und auf einmal...
... wurde Erwin von einem Sog erfasst und verschwand durch eine dunkle Öffnung in der Wand. Irgendwie musste er ein Sicherheitssystem ausgelöst haben.
Derzeit im Großen Wald:
Im Großen Wald war ein einsamer Wanderer unterwegs. Sein Name war Erik und er war ein Hempel. Er war ohne Gepäck unterwegs, weil er glaubte, keines zu brauchen, und ohne Ziel, weil er glaubte schon irgendwann auf eines zu stoßen. Stattdessen stieß er auf etwas völlig anderes. Es war ein großer Eisblock, in den ein Witschwein eingeschlossen war.
"Äh... Hallo?", fragte Erik probeweise, "Lebst du noch?"
Keine Antwort. Erik beschloss zu warten, bis der Eisblock einigermaßen aufgetaut war. Da es ein besonders warmer Tag war, ging das auch relativ schnell, jedoch war es schon Nacht, als Erwin an Eriks Lagerfeuer wieder zu sich kam.
"Wo bin ich?", fragte er. "Im großen Wald!", antwortete Erik. "Wie bin ich hierher gekommen?" "Weiß ich doch nicht!" "Das muss ein verdammtes Sicherheitssystem gewesen sein!", fluchte Erwin, "Zaans Fallen gehen echt zu weit!""Wer ist Zaan?", fragte Erik. Erwin sah den Hempel an. Er schien nicht gerade der hellste zu sein. Vielleicht konnte er ihn für seine Zwecke benutzen. "Eigentlich ist alles was mit meiner Mission zusammenhängt streng geheim!", meinte das Witschwein, "Wenn ich dir das erzähle musst du mich begleiten, damit ich sichergehen kann, dass du nichts ausplauderst. Soll ich dir trotzdem davon erzählen?" "Jetzt erst recht!" "Aber sei dir im Klaren, dass es gefährlich wird,... wie heißt du eigentlich?" "Erik! Und du?" Erwin entschied sich einen falschen Namen zu benutzen. "Ich heiße Peter, Peter Wurschtfinger!", behauptete er, "Und du willst immer noch wissen, was es mit Zaan auf sich hat? Willst du das wirklich wissen?" "Latürnich!", sagte Erik. "Na gut!", seufzte Erwin und begann "Ich werde dir die ganze Geschichte von Anfang an erzählen!" Erwin stand auf und begann: "Das alles begann folgendermaßen: Es gab einmal eine Frau in Zamonien, eine Menschenfrau!" Erik fiel erschrocken um. "Alle Fhernhachenkinder nannten sie die Schokohexe!" "Schokohexe?" "Ja, Schokohexe! Sie hieß so, weil sie jedem Kind einfach so Schokolade schenkte!" "Einfach so?" "Ja, einfach so! Sie wurde sehr SEHR schnell zum beliebtesten Menschen GANZ Zamoniens!" "Ganz Zamoniens?" "Ja, ganz Zamoniens! Eines Tages jedoch war die Schokolade weg!" "Die Schokolade war weg?" "Ja, die Schokolade war weg! Und die Kinder wurden sehr traurig!" "Sehr traurig?" "Ja, sehr traurig! Keiner wusste, wer die Schokolade gestohlen hatte! Aber ICH weiß es!" "Du weißt es?" "Ja, ich weiß es! Zoltan Zaan war der Übeltäter!" "Dieser Schlingel!" "Und seit dieser Zeit bin ich hinter ihm her! Wirst du mir helfen, ihn zu schnappen?" "Ja natürlich!" Erwin rieb sich die Hände und grinste: "Guuuuut!" "Die armen, armen Kinderchen!", soifzte Erik. Das Witschwein sagte nichts dazu. Es schlief. Am nächsten Morgen machten sich die beiden auf den Weg. Nach ein paar Tagen der Wanderschaft erreichten sie den Fuß der Finsterberge.
"Keine Bäume mehr!", stellte Erwin erfreut fest, "Hier kann ich endlich meinen Radieschenhund einsetzen!" "Deinen Radieschenhund?", fragte Erik. "Den hier!", meinte Erwin und holte den Hund aus der Tasche. Er gab einen Befehl und der Hund wuchs. "Alles aufsteigen!", lud Erwin ein. Erik nahm das gerne an.
Kurz darauf ritten die beiden schon im Eiltempo durch die Berge. "Das ist super!", rief Erik, "Jippieh!" "Nein!", schrie Erwin, doch es war schon zu spät. Der Radieschenhund hatte Eriks "Jippieh!" als das Krypto-Wort "Jipi" verstanden, was Sprint bedeutete. Während Erik sich recht gut auf dem rasenden Hund zu halten vermochte fiel Erwin beim ersten Sprung über einen großen Felsen hinunter. Enttäuscht und verärgert sah er Hund und Hempel nach, die am Horizont verschwanden. Jetzt ging es also wieder zu Fuß weiter. Verfluchte Sicherheitssysteme.
Einen Tag später entdeckte Erwin neben einem Gipfel Zoltans Ballon, der immer näher kam. Das hatte ihm gerade noch gefehlt. Er musste sich verstecken, ehe Zoltan ihn sah und mit der Kanone abschoss. Doch der hatte gerade ganz eigene Probleme. Er hatte Jack damals überwältigen und einsperren können, doch der hatte das Schloss seines Käfigs durchschaut und geöffnet. Seitdem wurde Zaan von der Mumie gejagt, die ihn sich sogar noch einmal an seinen Ballon gehängt hatte und darin eingedrungen war. Jetzt fuhr der Ballon führerlos und mit offener Kabinentür über das Gebäude. "Du wirst mir das Mittel herstellen!", befahl Wolsin, "Oder ich töte dich!" "Kommt nicht infrage!", widersprach Zaan, "Ich traue dir nicht. Wenn das Mittel erst einmal gewirkt hat würdest du mich trotzdem töten!" Schließlich gelang es Zoltan beim wilden Handgemenge seinen Gegner aus der Kabine zu drängen. Der klammerte sich allerdings noch immer draußen fest. "Nimm das!", meinte Zaan und schlug der Mumie eine Genffflasche auf die linke Hand. Die Krallen brachen. Jack Wolsin, der untote Pirat fiel. Mit einem langgezogenen Ruf nach seiner Mutter stürzte er in die Nachtigaller-Schlucht, die tiefste trockene Schlucht von ganz Zamonien. Erwin, der hinter einem Stein saß und alles beobachtet hatte, war mehr als erstaunt. Noch erstaunter war er, als sich nicht weit von ihm entfernt ein große seltsame Kreatur erhob. Sie hatte zwei kurze schlammüberkrustete Vogelbeine und einen Körper, der an ein Radieschen erinnerte und ähnlich verdreckt aussah. Oben ragte ein hässlich verwachsener Schnabel heraus, über dem zwei grüne Augen saßen. Zoltan hatte das Wesen ebenfalls bemerkt und senkte den Ballon auf seine Kopfhöhe. "Was bist du?", fragte er und missachtete dabei völlig das zamonische Höflichkeitsgebot, nach dem man jemanden erst nach seinem Namen und dann nach seiner Daseinsform fragte. "Ich bin ein Schnurz!", antwortete das Wesen. Es konnte also sprechen. Und sogar zamonisch. Zoltan war begeistert. "Und wie heißt du?", fragte er weiter. "Schnurz!" "Wo kommst du her?" "Aus Schnurz!" "Und wo liegt Schnurz?" "Auf Schnurz!" Zoltan sah ein, dass er so nicht weiterkommen würde. Er beschloss ein Bild des Wesens zu machen und in seinen Büchern nach etwas Vergleichbarem zu suchen. Leider hatte er keinen Fotoapparat dabei. "Darf ich dich zeichnen?", fragte er daher. "Wenn ich das Bild behalten darf!" "In Ordnung!" Zoltan Zaan zeichnete also das Bild. Kaum war es fertig, da stieg er auch schon mit dem Ballon auf. "Mein Bild!", rief Schnurz, "Gib es her!" Doch Zoltan stieg nur noch höher und fuhr mit seinem Ballon davon. "Komm zurück und gib mir mein Bild!", schrie Schnurz dem Ballon nach, der schon hinter dem nächsten Gipfel verschwand. "Der kommt nicht wieder!", meinte Erwin und kam hinter dem Stein hervor. "Wo kommst du denn her?", fragte Schnurz. "Ich saß hinter dem Stein!", erklärte Erwin. "Warum hast du dich versteckt?" "Ich wollte nicht, dass Zoltan Zaan mich sieht. Er ist mein Feind!" "Ist das der Mann, der mir mein Bild nicht gegeben hat?" "Ja, genau!" "Dann ist Zoltan Zaan auch mein Feind!" Das Witschwein nickte. "Ich weiß wo sein Versteck ist!", sagte es, "Wollen wir gemeinsam hingehen und dein Bild holen?" "Ja, das machen wir!"
Die beiden wanderten also durch die Berge, immer weiter auf die Nachtschule zu. Erwin nutzte die Zeit um Schnurz auszufragen: "So etwas wie dich habe ich noch nie gesehen. Du kommst nicht aus Zamonien, oder?" "Nein, ich komme aus Schnurz!" "Bist du durch ein Dimensionsloch hierher gekommen?" "Was ist ein Dimensionsloch?" "Ein Loch, das man nicht sehen kann, nur riechen. Und wenn man hineinfällt kommt man irgendwo wieder raus!" "Ja, durch so etwas bin ich gekommen. Wir nennen es Schnurz!" "Ist Schnurz bei euch ein häufiger Name?" "Wir Schnurze heißen alle so!" "Das dachte ich mir schon. Sag mal, warum bist du in das Dimensionsloch gefallen?" "Ich bin nicht gefallen. Ich bin gesprungen!" "Warum?" "Ich wollte fort. Die anderen haben mich immer ausgelacht und geärgert!" "Warum denn das?" "Weil ich mit dem Schnurzen so spät dran bin. Alle  haben sich schon geschnurzt, nur ich nicht!" "Geschnurzt?", fragte Erwin und fand, dass er sich wie Erik anhörte. "Ja, geschnurzt. Die Hülle abgelegt!" "Gehäutet!" "So könnte man es auch sagen! Meine alte Haut ist schon ganz schmutzig und stinkt!" "Stinkt?" Er klang wirklich wie Erik. "Ja, riechst du das nicht?" Doch, jetzt roch Erwin es auch. Der Gestank wurde sogar immer stärker, er trieb ihm die Tränen in die Augen. Wäre unter den Sachen, die er aus den Überresten seines Labors gerettet hatte nicht auch eine Gasmaske gewesen, dann wäre er die ganze Reise über so gut wie blind gewesen. Plötzlich verdunkelte sich der Himmel. Erwin sah nach oben. Ein Finsterberggewitter. Das hatte ihm jetzt gerade noch gefehlt. "Wir müssen Schutz suche!", rief er, "Schnell!" Im Nu war Erwin in einem Finsterbergmadenstollen verschwunden und hatte sich in einer nahen höher gelegenen Höhle ohne zweiten Ausgang versteckt. Hierher konnte das Wasser nicht steigen, da die Luft nirgendwo entweichen konnte. Jetzt durfte das Gewitter nur nicht zu lange dauern. Hoffentlich war Schnurz in Sicherheit. In den Tunnel passte er jedenfalls nicht. Auch Jack Wolsin bemerkte den aufziehenden Regen. Doch ihn störte er nicht. Ganz im Gegenteil, er hoffte darauf, dass der steigende Wasserspiegel ihn wieder nach oben, aus der Schlucht heraus tragen würde.
Der Regen fiel. Und ging vorbei. Erwin kam wieder ans Tageslicht und sah sich nach Schnurz um. Was er sah, war eine Art riesiger Greif mit blutrotem Fell und papiertütenbraunem Gefieder. Hinzu kam ein langer schwarzgeschuppter Schwanz aus dem strahlend weiße Stacheln wuchsen. Der Schnabel glänzte in stahlblau und die Augen... Das waren doch Schnurz grüne Augen! "Schnurz?", fragte Erwin, "Bist du das?" "Ja!", antwortete Schnurz, "Ich bin das!" "Aber was ist mit dir passiert?" "Meine alte Haut war wohl schon so steif, dass die schweren Tropfen sie aufbrechen konnten!" Erwin besah Schnurz´ Flügel. "Kannst du damit richtig fliegen?", fragte er. "Klar!" "Kannst du mich auch tragen?" "Natürlich!" "Gut, dann kommen wir viel schneller zu Zaans Versteck!" "Und dann holen wir mein Bild!" Das Witschwein musste lachen. "Genau Schnurz, genau!"

Kapitel 3: Der Pakt der Wahnsinnigen
Bald darauf landete Schnurz vor der Nachtschule. Er hätte sich Zoltan Zaan gerne selbst vorgeknöpft, doch natürlich passte er nicht durch die Tür. Erwin ging wieder zur Tür und öffnete sie. Ebenso die zweite Tür. Nun stand er wieder im Labor, und er wusste, diesmal würde er sich vom Regenerator fern halten. Das Witschwein drehte sich noch einmal um und schloss die zweite Tür wieder, nur um nicht so schnell bemerkt zu werden. Als es sich wieder dem Labor zuwandte stand plötzlich Zoltan Zaan vor ihm. "Du kannst dich hier frei bewegen!", erklärte Zoltan dem verblüfften Erwin, "Ich habe alle Fallen abgeschaltet!" "Warum?", fragte Erwin. "Weil ich die Sache jetzt klären will. Zunächst einmal: Was willst du eigentlich hier?" "Eigentlich wollte ich mit dir nur über mein Labor sprechen. Aber seit ich in diese miese Falle getappt bin, bin ich richtig sauer!" "Ah ja!" "Und natürlich will ich Lumpi wiederhaben. Und ich brauche Schnurz´ Bild, sonst dreht der noch durch!" "Wie du meinst. Zu Punkt eins: Ich habe die Ruine deines Labors gesehen und bin ein wenig dort herumgestiefelt, nichts von Bedeutung. Und wenn du jetzt fragen willst, was die anderen Fußspuren zu bedeuten haben: So eine dämliche Piratenmumie ist als blinder Passagier auf meinem Ballon mitgeflogen, den Idioten bin ich aber los. Zu Punkt zwei: Du hättest ja nicht in mein Labor eindringen müssen, es hängt extra ein Warnschild an der Tür. Zu Punkt drei: Wenn du deinen Glibber willst, will ich meinen Hund. Zu Punkt vier: Das Bild kannst du haben, ich habe genug Kopien gemacht!" "Ich habe deinen Hund nicht. Gib mir Lumpi!" "Ich weiß genau, dass du meinen Hund gestohlen hast, also her damit!" "Ich habe ihn nicht!" "Kein Hund, kein Lumpi!" "Na schön, ich hatte ihn, aber ich habe ihn verloren!" "Einen unbezahlbar wertvollen und unsagbar praktischen Hund stehlen und ihn verlieren. Das passt zu dir!" "Was willst du damit sagen?" "Dass du ein leichtsinniger Trottel bist, der sich nie Gedanken um die Folgen seiner Experimente macht!" "Und du bist ein Egoist, der seine ganzen Fortschritte und Erfindungen nur nutzt um sich selbst zu bereichern!" "Wer von uns beiden hat den ohne Lizenz selbst gemachte Medikamente verkauft?" "Das Geld habe ich gebraucht um mein Labor aufzubauen!" "Oh, ich verstehe, der Zweck heiligt die Mittel, was?" "Immerhin haben meine Erfindungen einen vernünftigen Zweck und dienen nicht nur dazu, meine Taschen mit Pyras zu füllen!" "Also gut. Wir haben ganz offensichtlich unterschiedliche Vorstellungen davon, wie und wofür unsereiner arbeiten sollte. Und das lässt sich auch nicht ändern. Aber die Sache mit dem Hund sollten wir regeln!" "Ich sagte doch schon, ich habe ihn nicht mehr!" "Dann gibst du mir eben etwas anderes als Entschädigung. Was ist mit den Sachen in deinem Rucksack?" "Niemals. Das ist alles, was von meinem Labor geblieben ist!" "Kein Rucksack, kein Lumpi!" "Also gut, du hast es so gewollt!" Erwin schnallte den Rucksack ab und stürzte sich auf Zoltan.
Zwischen den beiden Gelehrten entbrannte ein heftiger Kampf, unter dem in erster Linie das Labor zu leiden hatte. Ganz in der Nähe wurde Lumpi von den Geräuschen umstürzender Geräte und zersplitternder Reagenzgläser geweckt. Schlimmes ahnend machte er sich auf den Weg zu Zoltans Labor.
"So kommen wir nicht weiter!", entschied Zaan, "Wir müssen die Sache anders regeln!" "Einverstanden!", meinte Erwin, "Aber wie?" "Wie wäre es mit einem fairen Zweikampf?", fragte Zaan, "Wir gehen in mein Wohnzimmer, zeichnen einen großen Kreis auf den Boden und wer als erstes den anderen aus dem Kreis wirft, hat gewonnen!" "Meinetwegen! Aber wir brauchen einen Schiedsrichter!" In diesem Moment kam Lumpi herein. "Du kommst gerade recht!", fand Zoltan, "Komm mit, wir brauchen einen Schiedsrichter!" Lumpi war gar nicht begeistert. Konnten die beiden sich nicht friedlich einigen? Das würde nur wieder ein riesiges Chaos geben. Doch  bevor es irgendetwas geben konnte flog die Tür aus den Angeln und herein trat Jack Wolsin. "Jetzt reicht es mir langsam!", knurrte der und warf einen Reagenzglasständer um, was zur Folge hatte, dass mehrere Flüssigkeiten sich vermischten und ein Loch in den Boden ätzten. "Ich will endlich meinen Gewebeverjüngungstrank. Ich habe es satt als Mumie herumzulaufen!" "Kommt nicht infrage!", widersprach Zoltan Zaan, "Ich gebe das Mittel keiner verrückten Piratenmumie!" "Ein Gewebeverjüngungstrank?", fragte Erwin von Wassernass, der sich daran erinnerte selbst mal an so etwas gearbeitet zu haben. "Ja!", antwortete Zoltan, "Den habe ich kürzlich erfunden!" "Falsch!", rief Wolsin, "Er hat die Formel aus deinem Labor gestohlen und vollendet!" "So?", meinte Erwin, "Dann her mit der Formel Zaan!" "Niemals!", widersprach Zaan, "Es ist meine Formel. Ich habe die letzte entscheidende Zutat gefunden!" "Aber alles andere ist von mir, also ist es meine Formel!" "Wessen Formel es ist ist mir egal, ich will nur einen Schluck von dem Trank!", mischte sich Wolsin ein. "Du hältst dich daraus oder ich hole meinen Untoten-Pulverisierer!", drohte Zaan. "Du kannst gerne einen Schluck von dem Trank haben, wenn ich die Formel habe!", meinte Erwin. "Einverstanden!", stimmte Wolsin zu. "Du bekommst die Formel nicht!", widersprach Zaan, "Du hast schon deinen Erstarrungsstrahl!" "Was?", schrie Wolsin und packte Erwin, "Du warst das? Du hast mich erstarren lassen?"
Lumpi sah sich noch eine Weile mit an, wie die drei stritten, dann holte er eine Tafel und ein Stück Kreide und schrieb etwas. Um die Streithähne darauf aufmerksam zu machen stieß er einen leeren Erlenmeyerkolben um. Alle drei hielten inne und lasen:
Worüber streitet ihr euch eigentlich? Eure Probleme sind so simpel, dass ihr sie auch in einem vernünftigen Gespräch lösen könntet!
"Er hat recht!", gab Erwin zu. Lumpi schrieb erneut.
Erwin und Zoltan, ihr könntet den Verjüngungstrank doch einfach gemeinsam herstellen und vermarkten. Und wieso verkauft ihr ihn Wolsin, das ist die Mumie Erwin, nicht einfach? Er hat bestimmt etwas anzubieten.
"Die Idee gefällt mir!", fand Zoltan. "Ich könnte euch für den Trank einen Teil des Schatzes geben!", spekulierte Wolsin. "Ein Schatz?", fragte Erwin gierig. "Ja, ein alter Piratenschatz. Ein Haufen Gold und Edelsteine und so etwas. Die Karte auf der der Standort verzeichnet ist liegt unter meinen Binden, wenn ich lebendig bin kann ich die abnehmen. Dann können wir den Schatz heben und durch drei teilen!" "Das gefällt mir!", meinte Zoltan, "Ich könnte mit dem Geld endlich meinen Dimensionsgleiter fertig stellen. Und du deinen Erstarrungsstrahl. He, wenn wir den Strahler mobil machen in dem wir ihn auf den Gleiter montieren haben wir eine super Waffe!" "Was sollen wir mit einer Waffe?", fragte Erwin. "es wird nicht bei einer bleiben. Wir bauen genug um die ganze Welt zu beherrschen!" "Die Welt beherrschen?", murmelte Erwin, "Warum eigentlich nicht. Dann könnte ich endlich all die Versuche machen, die heute verboten sind. Wahrscheinlich ist die Welt sogar besser dran, wenn sie von Wissenschaftlern statt von Politikern beherrscht wird!" "Und von einem Piraten!", fügte Jack Wolsin hinzu, "Ich gebe euch den ganzen Schatz, wenn ich mit euch herrschen darf!" "Einverstanden!", riefen Zoltan und Erwin gleichzeitig. Lumpi war schockiert. Diese drei Spinner wollten die Welt beherrschen? Hätte er doch bloß zugelassen, dass sie sich gegenseitig umbrächten. Aber jetzt war nicht die Zeit für Schuldgefühle. Es war Zeit zu handeln. Alleine konnte Lumpi wahrscheinlich nichts gegen die drei ausrichten, also machte er sich auf die Suche nach Verbündeten.
"Also, wo bleibt nun mein Trank?", beschwerte sich Wolsin etwa eine Stunde später. "Ist gleich fertig!", versuchte ihn Zoltan zu beruhigen, "Ich muss nur noch... Ach du Scheiße!" "Was ist?", fragte Erwin. "Ich habe keinen Hexenhutpilzsaft mehr!", gestand Zoltan, "Wir müssen in den Wald und welchen holen!" "Auch das noch!", stöhnte Wolsin, und sein Rubinauge leuchtete auf. Schon begann er sein "Maamaaa!"-Geschrei. "Was ist denn jetzt los?", fragte Erwin. "Solche Anfälle hatte der schon öfter!", erklärte Zoltan, "Das geht vorbei. Wichtiger ist jetzt, wie wir schnell in den Großen Wald kommen!" "Wir könnten mit Schnurz fliegen, wenn du ihm sein Bild gibst!" "Schnurz kann fliegen?" "Aber klar!", Erwin grinste. "Worauf warten wir noch?", fragte Jack Wolsin. Die drei gingen raus zu Schnurz, über dessen verändertes Aussehen Zoltan überaus erstaunt war. "Das wurde aber auch Zeit!", meinte er, "Wo ist mein Bild?" Dann bemerkte Schnurz Zoltan. "Du hast mein Bild!", schrie er ihn an, "Gib es mir!" Zoltan gehorchte. "Wir haben alles geklärt!", meinte Erwin, "Und jetzt müssen wir in den Großen Wald. Kannst du uns hinfliegen?" "Gerne. Wo liegt der Wald?" "Flieg einfach in die Richtung, bis du einen riesigen Wald siehst. Ist nicht zu verfehlen!" Schnurz gehorchte und landete nur wenig später auf einer Lichtung. "Und wo sind nun die Pilze?", fragte Jack Wolsin. "Überall im Wald!", antwortete Zoltan, "Kommt mit!" Die drei gingen in den Wald. Bald hatten sie auch eine Kolonie von Hexenhutpilzen entdeckt. Als Wolsin ungeduldig an einem riss, stand plötzlich der Boden auf. Die Pilze wuchsen nicht auf dem Waldboden, sondern auf dem Körper eines Grunzosaugers.
Ein Grunzosauger war ein überaus gefährliches Wesen, dass aus dem Körper einer toten Waldspinnenhexe entstand, wenn dieser in einen Vulkansumpf geriet, wie es sie im Großen Wald vereinzelt gab. Da das nur sehr selten geschehen war, gab es nicht viele verschiedene Grunzosauger, wohl aber eine Menge gleiche. Die Grunzosauger waren zwar nicht in der Lage sich zu paaren, konnten aber sehr wohl Eier legen. Da die Erbanlagen der geschlüpften Jungtiere aber ausschließlich von der Mutter stammten, waren sie mit ihr völlig identisch. Grunzosauger hatten nur vier Spinnenbeine und einen pechschwarzen, madenähnlichen Körper. Am Kopf hatten sie fünf Augen und Mandibeln wie Ameisen. Mit Flügeln auf dem Rücken, die denen von Fledermäusen ähnelten, konnten Grunzosauger sogar fliegen. Ihr Rücken war häufig von Hexenhutpilzen bewachsen.
Das Exemplar, das Jack Wolsin aus seinem Mittagsschlaf geweckt hatte war etwa sieben Meter lang. Mit seinen Mandibeln riss es dem Ruhestörer sofort den Kopf ab, und hätte ihn wohl auch verspeist, wenn Erwin nicht ein Insektenspray aus dem Rucksack geholt und dem Wesen in die Augen gesprüht hätte. So aber machte es sich unter gequälten Schreien davon. "Wolsin?", fragte Erwin. "Der sagt nichts mehr!", befand Zoltan und nahm den Hexenhutpilz aus der Hand der Mumie, "Vielleicht könnte man ihn wieder flicken, aber wozu?" "Damit er uns die Karte gibt?", schlug Erwin als Zweck vor. Zoltan steckte den Pilz in seine Tasche und holte ein Messer hervor. "Die Karte holen wir uns einfach!", erklärte er. Bald hatte er ein Stück Pergament unter den Binden hervorgeholt und betrachtete es. "Das ist die Karte!", befand er, "Gehen wir!" Die beiden gingen zurück zu Schnurz. "Wo ist der andere?", fragte der. "Der bleibt erst einmal hier!", erklärte Zoltan. Er blickte auf die Karte, "Flieg uns über die Berge, bis zu einer Insel, die wie eine Pfote aussieht!" Schnurz hob mit seinen beiden Passagieren ab, wurde aber noch über dem Wald aufgehalten. "Da hat sich etwas in meinen Schwanz verpissen!", erklärte er. Erwin und Zoltan drehten sich gleichzeitig um und sahen, dass es der Grunzosauger war. "Schüttle das Tier ab!", rief Erwin, doch das war gar nicht so einfach, denn der Grunzosauger war nicht nur sehr stark sondern auch rasend vor Wut. Schnurz schüttelte sich immer stärker und stärker, doch der Grunzosauger blieb hartnäckig. Erwin und Zoltan dagegen verloren ziemlich schnell den Halt und stürzten in die Tiefe.
Lumpi betrachtete die Überreste von Jack Wolsin. Die wahnsinnige Mumie war die Welt also schon einmal los. Oder? Nein, nicht ganz. Die Finger des Piraten begannen sich zu bewegen. Vielleicht war es ganz gut, dass er noch, äh, untot war. Wenn er merken würde, dass Erwin und Zoltan ihm seine Karte gestohlen hatten würde er bestimmt ziemlich sauer auf sie werden. Lumpi beschloss, das Risiko einzugehen. Was er jetzt brauchte war ein Schneider. Ein guter Schneider.
Erwin schlug die Augen auf. Er lag in einem Bett in einem Raum mit völlig weißen Wänden. Nein, kein Bett, es war eine Art Bank. Und er war darauf festgeschnallt. Vor ihm stand ein Stollentroll im weißen Kittel, der eine Spritze in der Hand hielt. "Wer sind sie?", fragte Erwin, "Wo bin ich hier? Wie komme ich hierher?" "Mein Name ist Torg!", antwortete der Troll, "Du bist in meinem Bunker. Man hat dich im Großen Wald gefunden und hierher gebracht!" "Was ist mit Zoltan? Und mit Wolsin und Schnurz?" "Wir haben nur dich gefunden Erwin. Oder soll ich dich Fridolin nennen?" Erwin stöhnte auf. Fridolin Beissel war der Name, den er damals benutzt hatte, als er illegal selbstgemachte Medikamente verkauft hatte um den Bau seines Labors zu finanzieren. Offenbar waren ihm jetzt die Behörden auf die Schliche gekommen. Aber würden die ihn auf eine Bank schnallen und mit einem spritzenbewehrten Stollentroll allein lassen? Wohl kaum. Nein, dahinter musste jemand anderes stecken. "Was soll das?", fragte Erwin, "Wer ist hierfür verantwortlich?" "Nun, ich verrate wohl nicht zu viel wenn ich sage, dass ich für eine Firma arbeite, die Medikamente herstellt. Einerseits sind Typen wie du dort natürlich gar nicht beliebt, deshalb soll ich dir eine Lektion erteilen, aber andererseits haben einige deiner Medikamente gut angeschlagen, also soll ich alle Rezepturen aus dir herausquetschen!" "Das wird dir niemals gelingen!" "Oh doch, mit dieser Wahrheitsdroge hier!" "Oh nein, das darfst du nicht, das kannst du nicht machen!" "Oh, ich liebe meine Arbeit. Kähä!" Torg setzte die Spritze an Erwins Arm an, doch bevor er zustechen konnte traf ihn etwas am Rücken. "Das-ist-nicht-nett!", sagte er, bevor er umkippte. Hinter ihm stand eine wunderschöne junge Natifftoffin. "Wir müssen weg!", sagte sie und schnallte Erwin los, "Ehe die Wachen etwas merken!" "Was ist hier...", setzte Erwin an, "Wer sind sie?" "Mein Name ist Zarina Zaan!" "Die Tochter von Zoltan?" "Ja, genau die!" "Was machen sie hier?" "Ich arbeite für Torg!" "Was? Wieso das?" "Weil er jemanden gesucht hat, der genug von Alchimie versteht um ein Wahrheitsserum herzustellen und zu wenig um hohe Forderungen zu stellen, und ich einen Job suchte, bei dem ich ein wenig Geld mit meinem geringen alchimistischen Wissen verdienen konnte!" "Und wieso befreien sie mich?" Die beiden eilten durch einen Flur. "Weil sie der Erzfeind meines Vaters sind. Sie werden mir helfen mich zu rächen!" "Wieso denn rächen?" "Als er erfahren hat, das ich nicht Alchimie studieren will, hat er dafür gesorgt, dass mein Stipendium gestrichen wird!" Die beiden kamen an einem Hafen nach draußen. "Da gibt es nur ein Problem!", meinte Erwin. Zarina zerrte ihn an Bord eines kleinen Schiffes. "Leinen los!", rief sie, "Was für ein Problem?" "Zoltan ist nicht mehr mein Erzfeind!" "Wie bitte?" "Wir arbeiten jetzt zusammen!" "Auch das noch!" Zarina setzte sich auf einen an Deck stehenden Stuhl. Ein Yeti, dem Rangabzeichen auf der Jacke nach der Kapitän des Schiffes, trat an sie heran. "Ist was nich´ in Ordnung?", fragte er. "Ja, wir haben den Falschen!", antwortete sie. "Heißt das, für seine Überfahrt bezahlen sie nich`?", fragte er. "Nein!" "Na dann ab mit Schaden!" Mit diesen Worten packte der Yeti den erschrockenen Erwin und warf ihn über Bord. "Hilfe!", rief er, "Hilft mir denn keiner?" Nein, niemand half ihm. Erwin trieb einfach nur im Wasser, bis er in der Ferne ein weiteres Schiff erspähte. Darauf schwamm er zu.

Kapitel 4: Bouillon
Zoltan war in der Zeit im Wald zu sich gekommen. Er hatte Erwin und Schnurz nirgends gefunden und daher beschlossen, den Schatz allein zu heben. Da er zur Tatzeninsel musste,  hatte er einen kleinen Segler samt einköpfiger Blutschinkenmannschaft gemietet. Da er fast pleite war, gedachte er Schiff und Mannschaft mit Geld aus dem Schatz zu bezahlen. Jetzt hörte er ein Klopfen am Schiffsrumpf. "Sieh nach was das ist!", befahl er. Der Blutschink sah nach. "Da schwimmt ein Witschwein neben uns her und klopft!", meldete er. Ein Witschwein? Doch nicht etwa Erwin? "Raufholen!", befahl er. Der Blutschink ließ eine Strickleiter hinunter. "Danke!", tönte es von unten. Ganz klar, das war Erwins Stimme! Erwin kam nach oben und war äußerst erstaunt, seinen Geschäftspartner hier zu treffen. Die beiden erzählten sich gegenseitig was ihnen zugestoßen war. Plötzlich ertönte ein Kanonenschuss. "Wir werden angegriffen!", rief der Blutschink.
Der Angreifer war ein verfolgendes Schiff. Es war ein Segler aus Holz, der ziemlich heruntergekommen wirkte. Trotz seiner Größe genügten zwei intelligente Wesen an Bord um ihn zu steuern. Jack Wolsin und Lumpi!
"Wie konnten sie uns finden?", fragte Zoltan, nachdem er die Angreifer identifiziert hatte. "Wahrscheinlich weiß Wolsin, dass der Schatz auf der Tatzeninsel liegt. Aber keine Sorge, vor Lumpi haben wir nichts ernsthaftes zu befürchten!" Eine Kanonenkugel schlug auf Deck ein. "Sicher nicht?", fragte der Blutschink.
Lumpi fragte sich, was er von der Situation halten sollte. Das Wolsin jetzt völlig durchgedreht war und nur noch an Rache dachte bedeutete einerseits, dass er den Schatz völlig vergessen hatte, mit etwas Glück, würde die Karte im Meer versinken. Andererseits würde er wohl auch versuchen Erwin und Zoltan umzubringen. Wo sollte das alles nur enden?
Ein weiterer Schuss durchschlug den Rumpf. "Wir sinken!", brüllte Zoltan, "Dein Lumpi ist ja so harmlos, was?" "Keine Zeit für Diskussionen!", rief Erwin, "In die Rettungsboote!" "Es ist nur eins da!", murmelte Zoltan langsam, "Und damit haut gerade die Mannschaft ab!" "Dann springen wir einfach über Bord!", entschied Erwin, "Bleiben können wir auf keinen Fall, sonst zieht uns das Schiff mit runter!" Gesagt - getan, die beiden sprangen über Bord. Stundenlang schwammen sie durchs weite Meer, bis sie in der Ferne Land erblickten. Mit letzter Kraft erreichten sie in der Dämmerung prustend das Kap Schreckelfels, den südöstlichsten Punkt der Hutzenhalbinsel. Beide schliefen sie sogleich ein. Als sie am nächsten Morgen die Augen öffneten, stand ihnen ein Priiper gegenüber. Priiper lauerten in Gewässern und zogen unvorsichtige Wanderer mit ihren Händen aus Treibholz in die Tiefe.  Dies taten sie allerdings nur bei Neumond. Ansonsten bevorzugten sie eine Tasse Kartoffeltee und eine Krokodilwimper zum Essen. Die floral-faunalen Mischwesen glichen bis auf die hölzernen Hände haarlosen mit Algen bewachsenen Affen. Der Priiper der Erwin und Zoltan  hier gegenüber stand hieß Bouillon. Als sie einigermaßen wieder auf den Beinen standen deutete der Priiper an, dass sie ihm folgen sollten, ansonsten würden sie von der gefährlichen Springflut der Gegend, der sogenannten Erdbeerflut, getötet werden. Also folgten sie ihm über den gewundenen Bergpass der in die Hochebenen des Hutzengebirges führte. Nach drei Stunden Marsch durch die öden Schotterhügel der Bergtäler ließ sich Zoltan erschöpft in den Kies fallen. "Baah! Ich kann nich mehr!", stöhnte er. "Nicht fallen lassen, der Herr!", sprach Bouillon in angsterfülltem Ton. "Wir müssen weiter, oder die Gletschermumen holen uns!" "Die Gletschermumen?", sagte nun Erwin, "Aber die tun doch keiner Fliege was zuleide!" "Nun ja, Herr.. Nun gut ihr müsst wissen die Gletschermumen dieser Gegend haben nackte, nackte, na ja, nackte Berghutzen gesehen. Und seitdem sind sie wahnsinnig und laufen in der Gegend rum um Leute umzubringen!" "Och naja gut!", sprach Zoltan, "Aber hoffentlich finden wir bald eine Höhle oder so!" "Sicher Herr, oben auf diesem Felsvorsprung steht der eingefallene Palast von Kinunkel V. dem Hutzenkönig!" "Klingt nicht sehr angenehm, aber was soll's!" Also machten sie sich weiter auf den Weg durch das Gebirge. Gegen Abend erreichten sie ein kahles kleines Felsplateau. An der Felsseite prangte ein aus den Angeln hängender bronzefarbener Torflügel. "Wir werden nur in der Eingangshalle rasten. Im hinteren Teil lauern Kakertratten, Vampiros und Ritterswächter!" sprach Bouillon. Sie schlugen in der aus rohen Stein geschlagenen Halle ihr Lager auf. "Viel zu essen haben wir nicht mehr!" sagte Erwin. "Wird schon reichen", sagte Zoltan unsicher. In diesem Moment kam aus den hinteren Treppen des Palastes eines beängstigendes Geräusch. Es klang wie das scheppern einer Rüstung. "Ein Ritterswächter!", sagte Bouillon, "Schnell, zündet das Feuer an, dann wagt er sich nicht hierher!" Erwin und Zoltan gehorchten. "Was ist denn ein Ritterswächter?", fragte Zoltan, der dieses Wort trotz seiner umfassenden Ausbildung noch nie gehört hatte. "Das ist eine Art Pflanze!", erklärte Bouillon, "Die Ritter des Hutzenkönigs, meist Söldner also Yetis oder Blutschinken, ließen sie im inneren ihrer Rüstungen wachsen. Wenn sie nun die Rüstungen trugen konnten sie viel fester zuschlagen und sich trotz ihrer schweren Rüstungen schnell bewegen. Wenn sie die Pflanzen schon lange hatten, hatten die sich ans Kämpfen gewöhnt und machten alles von allein, sobald sie jemand anzog, es sei denn, der Betreffende wehrte sich dagegen. Starb nun aber einer der Ritter in seiner Rüstung, dann kämpfte die Pflanze weiter, ohne Kontrolle, immer wenn sie auf jemanden traf. Und das tun einige von ihnen heute noch, jedenfalls bis die Leichen der Ritter vollständig zerfallen sind und die Rüstungen auseinanderfallen!" Erwin und Zoltan liefen kalte Schauer über den Rücken. "Zum Glück fürchten die Ritterswächter wie alle rein pflanzlichen Wesen das Feuer!", beruhigte sie der Priiper. "Und was sind Vampiros?", fragte nun Erwin. "Oh, so nennen wir hier die katzenartigen Vampire. Aber keine Sorge, die haben so gute Nasen, dass sie schon vor meinem Geruch fliehen!" "Und die Kakertratten?", fragte nun wieder Zoltan, "Wie schützen wir uns vor denen?" "Gar nicht. Die kommen nie hier in die Eingangshalle!" Kurz darauf war Bouillon eingeschlafen. Die beiden Gelehrten dagegen bekamen kein Auge zu. Und das war vielleicht auch gesünder für sie, denn sonst hätten sie den Aufprall auf dem Felsplateau nicht gehört. Sie blickten nach draußen und sahen eine Gestalt hereinkommen. Einen Grunzosauger. Den Grunzosauger, wie Zoltan anhand eines Stückes vergilbter Mumienbinde an den Mandibeln erkannte. Und diesmal hatten sie kein Insektenspray dabei. Schnell rüttelten die beiden Bouillon wach. "Was ist denn?", fragte der Priiper verschlafen. Dann sah er den Grunzosauger. "Scheiße, was ist das denn!", schrie er, plötzlich hellwach. "Nissenschädel!", schnarrte das Wesen, "Grunzosaugerrr!" Alle drei erstarrten. Erwin erinnerte sich irgendwo gelesen zu haben, das Grunzosauger manchmal sprechen lernten. Sie konnten jedoch keine Sätze bilden, da sie einfach nicht intelligent genug waren, und auch Sätze die sie hörten nicht richtig verstehen. Dass sie sprechen konnten machte sie auch kein bisschen ungefährlicher. Das Tier stapfte auf die drei zu. Erwin nahm einen brennenden Scheit in die Hand und stellte sich dem Grunzosauger in den Weg, doch der wich keinen Schritt zurück, sondern löschte die Flamme einfach mit einem Schwall seines sirupartigen Speichels. Jetzt hatte Erwin erst richtig Angst. "Wir müssen weg!", flüsterte er. "Aber das Monster versperrt uns den Weg!", widersprach Bouillon. "Dann müssen wir einen anderen finden. Das Schloss hat doch bestimmt noch einen anderen Ausgang!" "ja schon, aber um dahin zu kommen müssen wir durchs innere des Palastes!" "Ist doch egal!", rief Zoltan und nahm sich einen brennenden Scheit vom Lagerfeuer, "Gehen wir!" Ohne abzuwarten eilte er tiefer in die Höhle. Erwin nahm sich ebenfalls einen Holzscheit und folgte ihm, ebenso wie bald darauf Bouillon. Als er seine Beute fliehen sah, begann auch Nissenschädel der Grunzosauger zu rennen. Die drei Verfolgten eilten immer tiefer in das Höhlenlabyrinth, doch den Grunzosauger konnten sie nicht abhängen. Er schien ihre Geruchsspur zu verfolgen. Hinzu kamen die Bewohner der Höhle, in erster Linie die vom Licht angelockten Kakertratten. "Lasst euch nicht aufhalten!", meinte Zoltan, der genauso von Kakertratten umschwirrt wurde wie die anderen, "Sonst holt der Grunzosauger auf!"  "Nicht da lang!", warnte Bouillon, als Zoltan geradeaus weitergehen wollte, "Da ist ein Kakertrattennest, wir müssen durch den Keller!" Schon eilten die drei die Treppe hinunter, immer noch umschwirrt von Kakertratten. Langsam ließen die Biester von ihnen ab, doch bevor sie gänzlich verschwanden löschten sie noch Zoltans Fackel aus. Der Alchimist blieb stehen. "Erwin!", rief er, "Bleib kurz stehen, ich muss meine Fackel an deiner anzünden!" Erwin blieb stehen, doch Bouillon schaffte es nicht mehr seinen lauf zu stoppen und lief direkt in das Witschwein hinein, das im Fall wiederum den Natifftoffen mitriss. Alle drei kullerten die Treppe hinunter. Unten saßen sie im Dunklen. "Alles in Ordnung?", fragte Bouillon. "Bei mir schon!", antwortete Zoltan. "Bei mir auch!", fügte Erwin hinzu. "Na dann los, weiter!" "Wohin denn?", fragte Zoltan, "Ich sehe nicht die Hand vor Augen!" "Moment!", meinte Bouillon und kramte in seiner Tasche. Bald darauf holte er einen Kristall hervor, der stark bläulich strahlte. "Der vertreibt zwar keine Ritterswächter, aber wenigstens können wir damit etwas sehen!" "Werden wir überhaupt noch verfolgt?", fragte Erwin, dem auffiel, dass der Grunzosauger sie noch immer nicht eingeholt hatte. "Egal!", antwortete Bouillon, "Weiter!" Und wieder liefen die drei, diesmal durch einen weit weniger prächtig geschmückten Gang, der aber andererseits frei von Kakertratten war.
Nach einiger Zeit kamen sie an einen Riss, der mitten durch den Kellerboden ging. Nur eine reichlich morsch aussehende Holzbrücke führte darüber. "Der war schon da als sie den Palast gebaut haben!", erklärte Bouillon, "Keine Ahnung ob die Brücke hält, die benutzt sicher keiner!" Plötzlich hörten sie scheppernde Schritte aus der Dunkelheit hinter sich und erkannten, dass sie gar keine Wahl hatten. "Wir laufen einzeln!", entschied Zoltan, "Wer will zuerst?" ohne zu antworten lief Bouillon hinüber. Erwin folgte. Am Schluss kam Zoltan. Bevor der jedoch sicher das andere Ende erreichen konnte, betrat ein Ritterswächter, durch dessen Visier man noch den Schädel eines Yetis erkenne  konnte, mit schweren Schritten die Brücke. Sofort brach der Hauptbalken und die ganze eigentliche Brücke samt dem Ritterswächter stürzte in die Tiefe. Nur das auf beiden Seiten der Schlucht gesondert befestigte Geländer blieb übrig. Und daran hing Zoltan. "Helft mir!", bat er. "Wie denn?", fragte Erwin. Das wusste Zoltan nun auch nicht. Bouillon dagegen schon. Mit seinen hölzernen Händen hangelte er sich zu Zoltan herüber, umschlang ihn mit den Beinen und trug ihn sicher zu Erwin herüber. "Wir müssen uns immer noch beeilen!", erinnerte der, "Grunzosauger können schließlich fliegen!" Und so beeilten sie sich weiter. Bald ging es wieder eine Treppe hinauf und durch das Erdgeschoss bis zum Hinterausgang. "Geschafft!", keuchte Zoltan. "Ja!", stimmte Bouillon zu, "Aber wir sollten noch eine Weile gehen, bevor wir rasten, es ist nämlich gut möglich, dass der Grunzosauger auch hier herauskommt!" Also gingen die drei noch eine weile, ehe sie in einer leeren kleinen Höhle erneut rasteten. "Ich frage mich, wie der Grunzosauger überhaupt hierher kommt!", meinte Erwin. "Schnurz muss ihn bis hierher geschleppt haben!", vermutete Zoltan, "Das ist die einzige Erklärung!"
Die nächsten Tage lang wanderten die drei unbehelligt durch die Hutzenberge. Anschließend wollten Erwin und Zoltan zum nächsten Hafen um ein Schiff zur Tatzeninsel zu nehmen und endlich den Schatz zu finden, also gingen sie in Richtung Gralsund. Bouillon begleitete sie wie selbstverständlich.

Kapitel 5: Hirl
Am Hafen angekommen inspizierten sie gründlich jedes Schiff, das nach Hirl, der Stadt auf der Tatzeninsel, die dem Versteck des Schatzes am nächsten lag, mit einer Ich-kann-durch-Wände-sehen-Brille (wie Erwin sie nannte) damit sie ja nicht auf eines gerieten, auf dem die fürchterlichen Frustratten hausten, wie auf dieser Route so viele fuhren.
Denn diese Wesen waren so deprimiert, dass sie einen glatt anstecken konnten und das wollte keiner der drei riskieren.
Endlich fanden sie ein geeignetes Schiff. Das Problem war, dass sie nicht wussten wie sie die Reise bezahlen sollten.
Erwin hatte die tolle Idee als blinde Passagiere an Bord zu gehen. Also bastelten sie sich Blindenstöcke, Sonnenbrillen und Blindenarmbinden und gingen an Bord. Als sie aber nach Mitfahrkarten gefragt wurden holte Zoltan schnell drei Zettel heraus, stellte sich aber so blöd dabei an, dass er sie verlor und sie im Wasser verschwanden. "Oh nein, die Fahrkarten! Jetzt habe ich sie verloren! Ach es ist ja sooo ein schweres Los blind zu sein!", schluchzte Zoltan. Der Fahrkartenkontrolleur war zutiefst berührt und ließ sie passieren. Auf dem Schiff angekommen machten sie sich in einer Kabine breit und warteten ab. Erwin jedoch wurde schnell langweilig und so ging er an Deck. Plötzlich sah er vor sich eine dicke, fette, schwarze Ratte mit lila Augen.
"Oh nein!", brachte er hervor, "Wir haben doch jedes Schiff genauestens von draußen mit der Ich-kann-durch-Wände-sehen-Brille untersucht!
Warum ist hier dann eine Frustratte?" Er wollte so schnell wie möglich wegrennen, doch die Ratte hatte ihn schon in seinem Bann. Nach und nach verflüchtigten sich seine schönen Erinnerungen und Gedanken und Erwin wurde immer trauriger. "Ein furchtbares Leben nicht war?", sagte die Ratte, "Warum stürzt du dich nicht einfach in die Fluten?"
"Ja warum nicht, was habe ich zu verlieren!", antwortete Erwin verzweifelt. Er rannte zur Reling und sprang.
Kaltes, dunkles Wasser umgab ihn und Erwin wusste: Nun würde er sterben...
Doch es passierte erst mal gar nichts.
Erwin trieb ein bisschen zwischen den Wellen herum und schluckte Wasser! Plötzlich tauchte unter ihm etwas großes auf: Ein Pockenhai! Pockenhaie übertragen Pocken in Windeseile. "Besser als Nichts!", dachte sich Erwin und kletterte auf seinen Rücken. Die nächsten Wochen wurde er von dem Hai durch die Gegend getragen, wobei es ihm immer schlechter ging. Wenn er nicht bald zu einem Arzt kam, würde er an Pocken sterben. "Immer noch besser als ertrinken!", dachte sich Erwin.
Die anderen Beiden machten sich furchtbare Sorgen um Erwin, denn sie wussten gar nicht was mit ihrem Freund passiert war. Niemand hatte gesehen, wie er ins Meer gesprungen war und die Frustratte war ihm hinterhergehüpft und ertrunken, nachdem sie die letzte Qualle gesehen hatte.
Wen Bouillon und Zoltan gewusst hätten, dass Erwin in Gegenwart eines Pockenhais im Meer herumdümpelte, hätten sie sich wohl noch größere Sorgen gemacht.
Dieser war schon fast am Ende, als er plötzlich am Horizont eine Riesenpizza schwimmen sah. Nun war er total mit den Nerven am Ende, denn es konnte doch nicht sein das Pizzen einfach so im Meer rumschwammen, noch dazu so große.
"Oh, ne Pizza!", sagte der Pockenhai. Also hatte er es auch bemerkt und Erwin sah keine Fata Morgana. Das Pockenhaie sprechen konnten wunderte ihn gar nicht. Er hatte auf dieser Reise schon genug merkwürdige Dinge erlebt. Sie kamen der riesigen Pizza immer näher und Erwin, der seit Tagen nichts gegessen hatte, wurde immer hungriger beim Anblick dieser Riesenpizza. Nun konnte er auch erkennen, dass die Pizza bewohnt war. Die Häuser und Wesen sahen zwar seltsam aus, doch sie hatten bestimmt einen Arzt der etwas gegen Erwins Pocken tun konnte. Schnell rutschte er vom Rücken des Hais und paddelte mit letzter Kraft an Land. Dort angekommen fiel er in Ohnmacht...
Als er wieder aufwachte fand er sich in einer breiartigen Substanz wieder, die wohl die Funktion eines Bettes hatte. Erwin setzte sich auf. "Was für ein seltsamen Ort", dachte er. Er befand sich in einem Raum in dem die gewölbten Wände aus phosphoreszierender Brotkruste bestanden. Erwin wusste es damals noch nicht, aber er befand sich in einem Laibhaus, einer Häuserform die ausschließlich auf dieser Insel vorkam.
Plötzlich bemerkte es Erwin: Seine Pocken waren wie weggeblasen. Er hatte den Gedanken gerade zu Ende gedacht, da betrat ein merkwürdig aussehendes Wesen den Raum. In dem seltsam nach knusprigem Teig aussehenden Türrahmen stand ein Anchovismännlein, das anscheinend der Schamane der kleinen Siedlung auf der Pizza-Insel war. Der Mann trug eine Menge Fischgräten und verdorrte Salamischeiben an einer Kette um den Hals. Er sprach in sehr holperigem Zamonisch, als wenn er diese Sprache schon lange nicht auf der Zunge gehabt hatte: "Icr heise Nogmak unt icr binn dear Shamanne dises Dorfves. Varumm seit ier aufv ainem halptoten Pokkenhei hirher geshvomman? Seit ier lebbensmühde?" Lange Minuten vergingen, bevor Erwin verlegen und mit leiser Stimme antwortete: "Ich bin von einem Schiff ins Meer gestürzt, dass mich und meine Freunde nach Hirl bringen sollte. Und ich wäre ertrunken, hätte ich nicht auf dem Pockenhai gelegen!" "Najja, beser errtrunken alz vonn Heipokken befallan tsu sein!", murmelte er, "Aba wass ier dig sagt, ier vollt nacr Hierl? Ier seit shon vast da! Dise Inssel ligt dearzait nur 3 meilenn for dear selsilishenn Küstte! Venn ier fon dortt auss nacr Hierl fandart, dear grossen Haafenstatt, dann könntett ier dortt oire Froinde treffan!" Erwins Herz machte einen kleinen Freudensprung. Wenn es nach ihm gegangen wäre, hätte er sofort aufbrechen können, aber der Schamane hielt ihn zurück. "Mommentt, nicrt ßo schneel. Tsuärßt mustt tu dicr stergen!" Daraufhin brachte Nogmak ihm ein scheußliches aber schmeckbar stärkendes Getränk. "Pahrmisahnisafft!" sagte Nogmak erklärend. Nachdem Erwin das scheußliche Getränk so schnell wie möglich hinuntergespült hatte, folgte er einer einladenden Geste Nogmaks an den teigigen (und wahrscheinlich auch aus Teig bestehenden) Strand. Dort lag ein kleines Floß. Erwin bedankte sich nochmals bei Nogmak und paddelte schließlich mit seinem Selleriestängel los. Nach ein paar Minuten erreichte tatsächlich von der Strömung begünstigt das Ufer. Er setzte den Fuß in den Sand und murmelte: "Nach Hirl muss ich da entlang..."
Inzwischen hatten Zoltan und Bouillon die sellsillische Hafenstadt Hirl erreicht. In dem wilden Getümmel des Marktplatzes, der vorwiegend von Blutschürfertrollen, Gasriesen und Tintenmännchen bevölkert wurde, trottete Zoltan dahin. Bouillon war ein paar Otternasen am Spieß holen gegangen, wie er sagte, doch Zoltan bezweifelte, dass ihr Geld dafür reichen würde.
Erwin wanderte immer noch am Strand entlang, als er hinter einer Düne plötzlich auf Torg stieß, der eine Armbrust auf ihn gerichtet hatte. "Eigentlich bin ich ja aus einem ganz anderen Grund hier!", meinte der, "Aber wenn ich dich auch noch zurückhole und die Rezepte für deine Medikamente kriege, dann zahlt mir mein alter Auftraggeber vielleicht doch noch meine Gage und ich kann meine Leute wieder einstellen. Deine Flucht hat mir damals das ganze Geschäft verdorben!" Torg machte einen Schritt auf Erwin zu, und trat dabei auf einen geheimnisvollen gelben Glibber. Er rutschte aus, die Armbrust flog nach vorn und schlug auf den Boden auf, ein Schuss löste sich, und ein kleiner Pfeil traf seinen eigenen Besitzer direkt zwischen den Augen. Der Glibber kroch mit furzenden Geräuschen unter der Leiche hervor. "Lumpi!", staunte Erwin, "Wo kommst du denn... Moment, wenn du hier bist, heißt das dann..." "Ja!", ertönte Jack Wolsins Stimme hinter Erwin, "Ich bin auch da!" Erwin drehte sich um und erschrak. "H-h-hinter dir!", stammelte er, "Der Grunzosauger!" "Ja, klar!", antwortete Wolsin, "Wo ist die Karte?" Der untote Pirat wollte das vor Schreck stumme Witschwein gerade ein wenig mit seinen Krallen bearbeiten, als bemerkte wie Lumpi aufgeregt auf und ab hüpfte. Langsam drehte er sich um...
Erwin war wirklich mehr als verblüfft, dass ihm der Grunzosauger so weit gefolgt war. Nun, jetzt kam er gerade im richtigen Moment. Ebenfalls positiv wertete er die Tatsache, dass Wolsin sich diesmal nicht einfach den Kopf abreißen ließ. Zwischen den beiden Kreaturen tobte ein heftiger Kampf, den Erwin nutzte um sich aus dem Staub zu machen. Lumpi begleitete ihn, und Erwin erzählte dem Glibber in Kurzform, was ihm und Zoltan in der Zwischenzeit zugestoßen war. Lumpi beschloss, sich zumindest scheinbar auf die Seite der beiden Gelehrten zu schlagen.
Bouillon hatte tatsächlich keine Otternasen erwerben können, aber dafür eine Herberge mit Zimmerservice gefunden, deren Wirt einverstanden war, die Rechnung erst bei Abreise der Gäste vorzulegen. Bis dahin wollte Zoltan den Schatz längst gefunden haben. Also hatten sich die beiden in der Herberge einquartiert und saßen nun in ihrem Zimmer und ließen sich Otternasen munden.
Lumpi und Erwin hatten sich inzwischen ein Nachtlager zurecht gemacht, und Erwin grillte seine letzten Würstchen über einem Lagerfeuer. Leider hatte ihnen niemand gesagt, dass man nachts auf Selsilla besser kein Lagerfeuer anzünden sollte...
Plötzlich schreckte Lumpi auf. Er hatte etwas gehört. Schnell machte er Erwin auf sich aufmerksam. Nach kurzer Zeit, hatte er festgestellt, dass das Nachtlager von Strandfratten umzingelt war, Wesen, die riesenhaften Goldhamstern glichen, aber viel gefährlicher waren. Erwin stand erschrocken auf und packte Lumpi in seinen Rucksack, bereit, bereit zur Flucht, doch gerade das nahmen die Fratten als Signal zum Angriff. Erwin und Lumpi wären zweifellos verloren gewesen, wäre nicht am Horizont eine dunkle Gestalt erschienen und schnell näher geeilt. Es war - der Radieschenhund! Er zerfleischte eine Strandfratte und schmiss eine zweite in das nächstgelegene Dimensionsloch. Dann nahm er Erwin auf den Rücken und rannte davon, während sich die Strandfratten in alle Richtungen zerstreuten. "Hallo!", sagte Erik, der noch immer auf dem Rücken des Hundes saß, "Hast du Zoltan gefunden?" "Ja, und er hat die Schokolade freiwillig zurückgegeben!", erklärte Erwin, "Jetzt suchen wir gemeinsam einen Schatz!" "Toll, eine Schatzsuche!", freute sich Erik, "Darf ich mitmachen?" "Ja!", antwortete Erwin, "Aber viel kannst du vom Schatz nicht bekommen!" "Macht nichts!" Der Radieschenhund lief, zufällig oder absichtlich, direkt nach Hirl, wo Erwin und Erik abstiegen und Erwin ihn schrumpfen ließ. Nachdem sie eine Weile durch die Stadt gelaufen waren, nahm der Hund die Fährte seines alten Herrn Zoltan Zaan auf, und führte seine Begleiter direkt ins Herbergszimmer. Zoltan freute sich, dass er endlich seinen Hund wieder hatte, Lumpi freute sich, weil er in Erik einen möglichen Verbündeten sah, Erik freute sich, weil er die Schatzsuche für einen Riesenspaß hielt, Erwin freute sich, weil er Zoltan und damit die Karte wiedergefunden hatte, der Radieschenhund freute sich, weil er nicht mehr so riesig war, und Bouillon freute sich, weil er noch nie so etwas köstliches wie diese Otternasen gegessen hatte.
Kommentar von Skelch: Tja, und wie geht es nun weiter? Finden die Reisenden den Schatz? Kann Lumpi verhindern, dass Erwin und Zoltan die Weltherrschaft übernehmen? Ist der Grunzosauger noch immer hinter Erwin her? Was ist aus Jack Wolsin geworden? Und aus Schnurz? Und was ist mit Bouillon, wenn demnächst Neumond ist? Nur Geduld, diese Fragen werden sich bestimmt noch aufklären.
Fortsetzung folgt (vielleicht)!
(Sollte jemand Fragen haben, und/oder wissen wollen, warum ich bestimmte Dinge geändert habe, dann wende er sich bitte an Siglinden@aol.com )



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